Kunststoff ist wertvoll - Ein Kommentar von Christian Traumann

Multivac

Die EU-Richtlinie über Einwegkunststoffverpackungen sieht unter anderem vor, dass sich Hersteller dieser Verpackungen an den kommunalen Entsorgungskosten beteiligen. Daneben will die EU ab 2021 eine Plastiksteuer einführen. Doch diese Pläne greifen zu kurz.

Kunststoff ist nicht wegzudenken aus unserem Leben. Gerade in Zeiten von Corona erfahren wir, wie wichtig es ist, dass Lebensmittel oder medizinische Güter sicher und hygienisch verpackt sind. Gebrauchte Verpackungen gehören nicht in die Natur. Doch wenn es um Plastikmüll geht, werden die Argumente oft populistisch. Nichts wird aus Spaß in Kunststoff verpackt. Vielmehr hat Kunststoff eine hohe Funktionalität.

Ein Drehen an der Preisschraube verteuert die Waren für die Konsumenten. Damit ist das Problem nicht gelöst. Vielmehr muss man verhindern, dass Menschen Plastik wegwerfen. Dazu müssen wir lernen, dass Kunststoff etwas Wertvolles ist. Und wir brauchen ein flächendeckendes System, mit dem dieses hochwertige Produkt gesammelt und wiederverwertet wird. Das kann ein Pfandsystem sein, das sich nach Verpackungsmenge oder Gewicht richtet. Das hat den Charme, dass sich das Sammeln für jeden auszahlt.

Aber es geht auch ohne finanzielle Anreize. Wir haben effiziente Sammelsysteme für Altpapier und Altglas. Sie funktionieren, weil sich die Einsicht durchgesetzt hat, dass diese Rohstoffe wertvoll sind. Nicht zuletzt ist die Industrie gefordert, neue Packstoffe zu entwickeln. Die Materialien in der Lebensmittelindustrie sind noch vorwiegend Mehrschichtverbunde. Eine mechanische Trennung ist bislang nicht in industriellem Ausmaß möglich, chemisches Recycling ist energieintensiv. Ein Ansatz sind Verpackungen aus Monomaterialien wie PP oder APET. Um eine Verwertung von Mehrschichtfolien zu gewährleisten, arbeitet die Folienindustrie zudem an Materialien, die wie Polyolefine recycelt werden können. Klar ist: Ein Pfand- oder Sammelsystem gibt es nicht umsonst. Aber die Sammlung und Aufbereitung von Rohstoffen zahlen sich mehrfach aus: Sie sind gut für die Umwelt, treiben die Entwicklung voran und schaffen Arbeitsplätze.

 

Ein Kommentar von Christian Traumann, Geschäftsführender Direktor der MULTIVAC Sepp Haggenmüller SE & Co. KG

 

 

Quelle VDMA Magazin #11 November 2020

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