Mono- statt Mehrschichtfolien – Ist das die Lösung?

Fraunhofer IVV

Experteninterview mit Dr. Horst-Christian Langowski: Viele Betrachtungen in der Verpackungsbranche setzen, um die verbesserten Recyclingkreisläufe zu realisieren, auf eine Veränderung der Verpackungskonzepte. Statt Mehrschichtfolien sollen nun Monofolien zum Einsatz kommen, die in den Recyclingkreisläufen besser zu verwerten sind.

Viele Betrachtungen in der Verpackungsbranche setzen, um die verbesserten Recyclingkreisläufe zu realisieren, auf eine Veränderung der Verpackungskonzepte. Statt Mehrschichtfolien sollen nun Monofolien zum Einsatz kommen, die in den Recyclingkreisläufen besser zu verwerten sind.

Wir klären mit Prof. Dr. Horst-Christian Langowski, Professor für Lebensmittelverpackungstechnik an der Technischen Universität München und Leiter des Fraunhofer-Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung, Freising, ein paar Detailfragen zu diesem Ansatz.

 

Herr Professor Langowski, wie sieht der Forschungsstand aus, wenn man den Einsatz von Monofolien in Zusammenhang mit bestimmten Produktgruppen bringt? Lassen sich die Folien überall einsetzen oder muss man Grenzen der Anwendbarkeit benennen?

Echte Monofolien haben gegenüber auf den Anwendungsfall spezialisierten Verbundfolien zwei fundamentale Nachteile:

  • Sie besitzen keine leichter schmelzende Siegelschicht, so dass beim Heißsiegeln die gesamte Folie schmilzt und
  • ihre Barriereeigenschaften, vor allem gegenüber Sauerstoff, sind schlechter.

Sie werden deshalb für anspruchsvollere Aufgaben nur selten eingesetzt. Es gibt allerdings spezielle Verbundfolien, in die Siegelschichten und / oder Barriereschichten integriert sind, die mit dem Basismaterial kompatibel sind und sich daher auch werkstofflich recyceln lassen. Das Wort „Monofolien“ ist hier aber etwas irreführend.

 

Welche Konsequenzen hat die Verwendung von Monofolien hinsichtlich der Foliendicke und damit der Verarbeitbarkeit?

Nicht nur die Foliendicke macht Probleme: Bei den echten Monofolien wird es schwieriger, den Siegelprozess reproduzierbar zu bewältigen. Oft benötigt man spezielle Siegelverfahren wie das Ultraschallsiegeln. Bei den vorher angesprochenen recyclingfähigen Verbundfolien darf die Barriereschicht einen bestimmten Anteil nicht überschreiten, weshalb sie tatsächlich etwas dicker werden können. Für die Verarbeitbarkeit ist das aber kein großes Problem.

 

Welche Folgen hat der Einsatz von Monofolien auf die Haltbarkeit von Produkten? Muss man das Mindesthaltbarkeitsdatum neu definieren?

In vielen Anwendungsfällen wird man tatsächlich die Mindesthaltbarkeit neu ermitteln müssen. Dabei kann man aber Zeit und Geld sparen, wenn man zunächst einmal aus Daten für die Empfindlichkeit des Produkts die Anzahl der verschiedenen Möglichkeiten eingrenzt, bevor man konkrete Haltbarkeitsuntersuchungen durchführt.

 

Welche Alternativen zu Monofolien sehen Sie, die einfach zu recyceln sind?

Es gibt einige Möglichkeiten - wie schon oben gesagt - mit denen man dünne Barriereschichten in Folienverbunde integrieren kann, die den Recyclingprozess nicht stören. Von einer echten Kreislaufwirtschaft sind wir dann aber noch weit entfernt, weil der Einsatz von Recyclingmaterialien im Lebensmittel-Direktkontakt derzeit nur in Einzelfällen möglich ist.

 

Das Interview führte Susanne Blüml.

 

Das Interview finden Sie hier unten zum Download.

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